Zen im Alltag – Wachheit mitten im normalen Leben
„Zen im Alltag“ ist eine Praxis des Sehens: Was geschieht gerade – ohne sofort zu bewerten, zu erklären oder mich zu rechtfertigen? Statt Zen nur auf dem Kissen zu suchen, üben wir dort, wo unser Leben tatsächlich passiert: in Beziehung, Arbeit, Konflikten, Vergleichen, Zweifel, Entscheidungen. Nicht als Theorie – sondern als stille, konkrete Übung im Moment.
Damit das alltagstauglich bleibt, arbeite ich mit einem einfachen Schema, das das innere „Wollknäuel“ entwirrt – Schritt für Schritt:
1) Form – Was sind die harten Fakten?
Was ist wirklich beobachtbar, ohne Spekulation, ohne Deutung?
Was ist wirklich beobachtbar, ohne Spekulation, ohne Deutung?
2) Gefühl – Was geschieht im Körper/Herz?
Welche Spannung, welche Unruhe, welche Wärme, welcher Druck ist spürbar?
Welche Spannung, welche Unruhe, welche Wärme, welcher Druck ist spürbar?
3) Geschichte – Welche Erzählung mache ich daraus?
Welche Bewertung, welches Selbstbild, welche Vermutung oder Schlussfolgerung „stricke“ ich dazu?
Welche Bewertung, welches Selbstbild, welche Vermutung oder Schlussfolgerung „stricke“ ich dazu?
4) Prajna – Was wird jetzt möglich?
Welche Einsicht taucht auf, wenn ich weniger klebe? Welcher kleine Schritt aus Klarheit – nicht aus Muster?
Welche Einsicht taucht auf, wenn ich weniger klebe? Welcher kleine Schritt aus Klarheit – nicht aus Muster?
Der Punkt ist nicht, „besser“ zu funktionieren oder sich psychologisch zu erklären. Es geht um etwas Direktes: Wo hafte ich an? Wo verwechsel ich meine Geschichte mit der Wirklichkeit? Und was geschieht, wenn ich für einen Moment loslasse? In dieser Lücke kann Prajna erscheinen: klares, waches Gewahrsein – und daraus ein Handeln, das weniger reaktiv und weniger eng ist.
Wichtig ist mir eine saubere Abgrenzung: Zen ersetzt keine Therapie. Psychologie und Therapie arbeiten an Heilung, Stabilität und Integration. „Zen im Alltag“ bleibt auf der Ebene von Dharma/Zen: keine Diagnosen, keine Persönlichkeitsetiketten, keine Heilungsversprechen, kein „Auspacken“ von Kindheitsgeschichten. Beides kann sich ergänzen – aber es ist nicht dasselbe.
Inspiriert ist dieser Ansatz u. a. von Huinengs bodenständigen Hinweisen zur Übung (Plattform-Sutra) sowie von alltagstauglichen Aufmerksamkeitsübungen, wie sie etwa Thich Nhat Hanh nahelegt: kleine Unterbrechungen, in denen wir wieder sehen, statt automatisch weiterzulaufen.
Auf dieser Webseite veröffentliche ich dazu Fallgeschichten, Reflexionen und kleine Übungen – als Einladung, nicht als Belehrung. Wenn du Fragen hast oder einen eigenen „Fall“ einbringen möchtest: Schreib mir gern. E-Mail.
Klaus-Peter (Seisen) Wichmann