Wie übe ich Zazen?
Eine einfache Orientierung zu Sitzhaltung, Atem und Umgang mit Gedanken.
Zazen ist die stille Sitzmeditation im Zen. Im Mittelpunkt stehen eine stabile Haltung, der natürliche Atem und die Übung, immer wieder in den gegenwärtigen Augenblick zurückzukehren. Es geht nicht darum, Gedanken zu verdrängen oder eine besondere Erfahrung zu erreichen. Zazen beginnt schlicht: sitzen, atmen, wahrnehmen, da sein.
Inhaltsverzeichnis
Kissen, Bänkchen oder Stuhl
Körperhaltung im Detail
Atem und Sammlung
Gedanken und innere Unruhe
Schmerzen, Müdigkeit und Widerstand
Zuhause beginnen
Haltung und Sitzplatz
In der Zen-Praxis ist die Körperhaltung wichtig. Wie wir sitzen, bleibt nicht nur äusserlich. Die Haltung des Körpers wirkt auch auf die innere Haltung zurück.
Beim Zazen geht es nicht um eine besondere oder schwierige Sitzform. Entscheidend ist ein Sitz, der stabil, aufrecht und für die Dauer der Meditationseinheiten gut tragbar ist. Die Haltung soll gespannt, aber nicht verspannt sein. Sie soll gelöst, aber nicht aufgelöst sein. Spannung und Entspannung stehen in einem guten Gleichgewicht.
Nicht jeder Mensch sitzt gleich. Körperbau, Beweglichkeit, Alter und Erfahrung sind verschieden. Darum kann Zazen auf dem Kissen, auf einem Meditationsbänkchen oder auf einem Stuhl geübt werden. Auch der Stuhl ist eine vollwertige Form der Praxis.
Wichtig sind drei einfache Punkte:
Stabile Basis
Der Körper soll gut getragen sein und nicht ständig nach einer neuen Position suchen.
Der Körper soll gut getragen sein und nicht ständig nach einer neuen Position suchen.
Aufgerichtete Wirbelsäule
Der Rücken richtet sich natürlich auf, ohne hart oder steif zu werden.
Der Rücken richtet sich natürlich auf, ohne hart oder steif zu werden.
Ruhige Atmung
Der Sitz soll den Atem unterstützen, nicht einengen.
Der Sitz soll den Atem unterstützen, nicht einengen.
Es lohnt sich, den Sitzplatz sorgfältig einzurichten. Ein zu niedriges Kissen, ein wackliges Bänkchen oder ein ungeeigneter Stuhl erschweren die Übung unnötig. Ein gut gewählter Sitz unterstützt Sammlung, Ruhe und Wachheit.
Gespannt, aber nicht verspannt.Gelöst, aber nicht aufgelöst.

Sitzhaltung ....

Sitzhaltung ....

Sitzhaltung ....

Sitzhaltung ....
Hinweis zum Handout
Teilnehmende meiner Zen-Einführungskurse erhalten ein ausführliches Handout zur Zen-Praxis. Es fasst die wichtigsten Grundlagen zu Sitzhaltung, Atem, Umgang mit Gedanken, Kinhin, Zendo-Formen und weiteren Schritten der Praxis zusammen und dient zur Nachlese nach dem Kurstag.
Zazengi
Unterweisung im Zazen von Dogen Zenji
Das Studium des Zen bedeutet die Übung des Zazen. Um Zazen zu üben, wähle einen ruhigen Ort, der nicht zugig oder feucht ist und benütze eine dicke Matte. (Weil wir dieselbe Sitzhaltung benutzen wie Shakyamuni, als er zu Erleuchtung kam) betrachte den Platz, auf dem du sitzt, als den »Diamant-Sitz«. Einige Mönche üben auf großen Steinen, andere folgen dem Beispiel der sieben Buddhas, die das Zazen auf einer Matte aus wilden Gräsern ausübten. Der Ort für das Zazen sollte nicht zu dunkel sein, sondern Tag und Nacht mittelmäßig hell gehalten werden.
Der Ort sollte im Winter warm und im Sommer kühl sein. Halte Körper und Geist ruhig - lege alle mentalen Aktivitäten ab. Vergesse die Zeit und die Umstände, hafte nicht an guten oder schlechten Gedanken. Beim Zazen ist man sich selbst nicht bewußt und nimmt sich auch nicht als Gegenstand der Betrachtung. Versuche niemals, ein Buddha zu werden. Mache dich von Vorstellungen, wie liegen oder sitzen, los. Esse und trinke mäßig. Verschwende keine Zeit. Achte auf deine eigene Zazen-Praxis.
Lerne von dem Beispiel des fünften Patriarchen Könin vom Berg Obai. Jede seiner Tätigkeiten, Tag für Tag, war eine Übung des Zazen.
Wenn du Zazen übst, dann trage ein Kesa und benutze ein kleines rundes Kissen. Sitze nicht auf der Mitte des Kissens, sondern lege das Vorderteil unter dein Gesäß. Verschränke deine Beine und lege sie auf die Matte. Das Kissen sollte die Basis deines Rückgrates berühren. Dies ist die Grundhaltung, welche von Buddha zu Buddha und von Patriarch zu Patriarch weitergegeben wurde.
Benutze entweder den vollen oder den halben Lotossitz. Im vollen Lotossitz liegt der rechte Fuß auf dem linken Oberschenkel und der linke Fuß auf dem rechten Oberschenkel. Halte deine Beine horizontal und den Rücken absolut gerade. Beim halben Lotossitz liegt der linke Fuß auf dem rechten Oberschenkel, und der rechte Fuß liegt unter dem linken Oberschenkel.
Lockere deine Kleider und richte dich auf. Lege die rechte Hand unter deine linke Hand, dann liegt die linke Hand auf der rechten Hand. Die Daumen sollten gerade gehalten werden und sich leicht berühren. Beide Hände sollen gegen den Bauch gelegt werden. Deine Daumenkuppen sollen in Höhe deines Nabels liegen. Erinnere dich daran, den Rücken immer aufrecht zu halten. Neige dich nicht nach rechts oder links, nach vorn oder nach hinten. Halte deine Ohren in einer Linie mit den Schultern. Auch die Nase und der Nabel sollten im Lot sein. Lege die Zunge am oberen Gaumen deines Mundes an. Halte Lippen und Zähne geschlossen und atme durch die Nase. Die Augen sind in ihrer natürlichen Weise geöffnet. Wenn du beginnst, stimme Körper und Geist durch einen tiefen Atemzug ein.
Die Form deines Zazen sollte so fest wie ein Berg sein. Denke »Nicht-Denken«. Wie? Durch Ausüben des »Nicht-Denkens «.
Dies ist der erhabene Weg des Zazen. Zazen ist nicht das Mittel zur Erleuchtung; Zazen selbst ist das vollendete Handeln Buddhas. Zazen ist reine, natürliche Erleuchtung.
Dies wurde den Mönchen vom Kippoji im November des Jahres 1243 vorgetragen.
Auszug aus DOGEN ZENJI'S SHOBOGENZO, Kapitel Zazengi