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Einführung in die Zen-Meditation


Worauf zielt Zen ab? Was ist das Wesentliche dieser Meditationsart?
«Stopp den Klang der 1000 KM entfernten Tempelglocke!» - so lautet eine bekannte Zen-Geschichte. Diese Geschichten werden in der Zen-Sprache auch «Koans» genannt. «Koan» heisst wörtlich «Öffentliche Urkunde». Sie sind in sich widersprüchlich, paradox und mit dem logischen, kognitiven Verstand nicht lösbar. Zen-Praktizierende finden die Lösung des Koans auf eine intuitive Art und Weise, die Lösung zeigt sich dem Meditierenden von sich aus.

Der Widerspruch in dem Koan «Stopp …» liegt darin, dass die Person, die den Klang stoppen soll, sich 1000 KM entfernt von der Glocke befindet.  Was soll sie also machen, damit die Glocke aufhört zu tönen? Lassen wir die Frage an dieser Stelle unbeantwortet. Die Antwort gehört auch nicht in einen Vortrag wie diesen, sondern muss vom Zen-Schüler oder der Schülerin eigenständig gefunden werden.
Dieser Vortrag soll Ihnen, lieber Zuhörer, liebe Zuhörerin, die Zen-Meditation näher bringen. Was ist der Kern oder das Wesentliche der Zen-Meditation?

Schauen wir uns dazu die Anfangsmotivationen zum Meditieren an:
Der häufigste Beweggrund sich für die Meditation zu interessieren ist der Umstand, dass wir in einer sehr komplexen Welt leben und dass dies oft mit einem stressigen Alltag verbunden ist. Viele fühlen sich überarbeitet und angespannt. So wünschen sich Teilnehmer oft: "Ich möchte mal zur Ruhe kommen". An zweiter Stelle liegt vielleicht der Wunsch eine Standortbestimmung durchzuführen mit den Fragen "Wo stehe ich heute?" und "Was fehlt mir in meinem Leben?".
Zur Ruhe zu kommen und über seine Lebenssituation zu reflektieren, sind gute und auch nützliche Praktiken. Ein ruhiger Mitmensch tut etwas Gutes für sich und für die Gesellschaft. Die Zen-Meditation kann hier weiterhelfen, auch wenn dies nicht ihre Zielrichtung ist. Ruhe und Ausgeglichenheit sind die angenehmen Nebenwirkungen der Zen-Praxis.

Und worum geht es dann im Zen?
Schauen wir uns dazu die Motivationen von Zen-Praktizierenden an. Hier findet man das Folgende:
·         Tiefen Frieden finden
·         Meiner innewohnenden Selbstnatur gewahr werden
·         Ein Leben führen geleitet durch unsere innewohnende Weisheit
Ein tiefer Friede ist weitergehend als ruhig oder gelassen zu sein. Dies drückt sich in dem Wort "tief" aus. Beschreiben kann ich den tiefen Frieden nicht, Sie müssen es selber spüren und herausfinden. Dies ist dasselbe wie die Frage "Erkläre mir, wie eine Orange schmeckt".

Was ist mit Selbstnatur gemeint?
Dies ist der Dreh- und Angelpunkt im Zen. Mit unserer gewöhnlichen oder üblichen Sichtweise nehmen wir unterscheidend wahr, identifizieren Objekte, die in Beziehung zu mir stehen. Dies ist die Ebene des "dualistischen oder unterscheidenden Denkens".
Tief in uns verborgen liegt unsere Selbstnatur und zwar so, dass sie weder lokalisierbar ist noch als etwas Separates erkannt werden kann. Die Selbstnatur ist ALLES. Hier gibt es keine Unterschiede mehr, nicht einen einzigen. Die Selbstnatur ist unsere ureigenste Natürlichkeit, die Wirklichkeit an sich. Die Zen Übung zielt darauf ab, dass diese Selbstnatur erfahren wird.

Was hindert uns daran, diese Selbstnatur gerade jetzt als die Wirklichkeit an sich wahrzunehmen?
Das liegt daran, dass sie aufgrund unserer Konzepte, Vorstellungen, Vorurteile und Bewertungen nicht mehr wahrnehmbar ist. Unser Weltbild stellt eine Art hartnäckige Umhüllung dar. Gelingt es uns, dieses unser Weltbild als eben nur ein Bild wahrzunehmen, so können wir uns auch von diesen Bildern frei machen und die Wirklichkeit so wahrnehmen, wie sie ist.

Ein ganz wichtiger Punkt ist der Folgende: Zen ist ein persönlicher Erfahrungsweg, ohne Konzepte und ohne Glaubenssätze. Wer Zen übt, sitzt regelmässig in einer ruhigen und unbewegten Weise. Damit bringt man den Geist zur Ruhe, die Gedanken werden weniger und leiser. Mit diesen Bedingungen gelingt es dann in die Stille in seinem Inneren einzutauchen und, falls es einem gegeben wird, seiner Selbstnatur gewahr zu werden. Dies wird auch «Erwachen» genannt. Damit besteht die Zen-Praxis aus den folgenden drei Aspekten:

  1. An erster Stelle steht die Meditations-Praxis, still werden, unbewegt sitzen, Gedanken zur Ruhe zu bringen. Diese Praxis erfordert ein hohes Mass an Selbstdisziplin und gelingt gemeinsam mit anderen einfacher.
  2. Der zweite Aspekt ist die Realisierung, die Erfahrung der Einheit allen Lebens. Realisieren heisst «erwachen».
  3. Der dritte Aspekt ist die Verwirklichung . Damit wird das Erfahrene ins Leben gebracht. Ohne diesen dritten Aspekt bliebe die Meditationspraxis ICH-bezogen. Die Verwirklichung bringt Weisheit hervor. Weises handeln bedeutet die «Abwesenheit von törichten Gedanken».

Und wie kann ich konkret vorgehen?
Falls du am Zen-Weg interessiert bist, kannst du herausfinden, ob er wirklich gut zu dir passt. Zum Beispiel, indem du einen mehrtägigen Zen-Einführungskurs besuchst. In der Propstei Wislikofen biete ich Zen-Einführungskurse an. In einem Einführungskurs wirst du auf einfache und anfängerorientierte Weise mal 2 Tage meditieren. Im Kurs werden die verschieden Rituale erklärt und geübt. Anhand von Vorträgen wird das Wesentliche der Zen-Meditation besprochen. Zum Kurs gehören auch Einzelgespräche, eine gute Gelegenheit persönliche Fragen oder Anliegen mit mir zu besprechen.  

Herzlichen Dank für dein Interesse an diesem spirituellen Thema. Ich wünsche dir, dass deine Suche erfolgreich wird und dies unabhängig, ob du dich für Zen entscheidest. Es gibt viele andere gute Wege seinen spirituellen Sehnsüchten nachzugehen: Yoga, christliche Kontemplation, Achtsamkeitstraining, Qi Gong und andere.
Falls du Fragen zum Zen hast, kannst du mich gerne kontaktieren.
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